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    Samstag, 11. Januar 2020

    Festgestellt heute - aber für sofortige Umsetzung zu spät, es war schon gegen 17 Uhr - dass ich meine Arbeit anders strukturieren muss. Kurz gesagt: ich verfranse mich zu sehr in Kleinigkeiten, habe dann nicht genug Ruhe für die großen Themen, bei denen ich richtig denken muss.

    Lang gesagt: ich komme morgens und gehe die Mails und die Post durch, mache alles, was schnell geht, sofort - da hakt es schon. Schnelles sofort machen gut und schön, dann muss man es nicht zweimal anfassen oder Zeit verlieren mit terminieren, aber was, wenn es so unendlich viele schnelle Dinge gibt und sie auch noch immer nachkommen? Wenn dann immer schon Nachmittag ist, bis wirklich alle "schnellen Dinge" weg sind?

    ich drehe das ab Montag mal um und fange mit den langen, denkintensiven Sachen an. Vielleicht lassen sich am Nachmittag dann "schnelle Dinge" bündeln oder, auch möglich, es werden dann nur noch so viele von ihnen erledigt, wie Arbeitszeit übrig ist, und der Rest rutscht auf den nächsten oder übernächsten Tag, statt dass die großen Sachen immer weiterrutschen.

    Donnerstag, 9. Januar 2020

    Als ich begann, Gesangsstunden zu nehmen, war es erst einmal lange Zeit das Ziel, die Songs überzeugend und sicher hinzubekommen: auch in den Randbereichen des Stimmumfangs nicht zu wackeln, auch bei längeren Zeilen, größeren Tonsprüngen, unterschiedlichen Tempi nicht, nicht fiepsig zu sein, nicht schrill, einen vollen Klang herauszubringen.

    Als das geschafft war, fingen wir an, damit zu spielen: wie können Teile zarter, sanfter, zerbrechlicher klingen, ohne dass der Ton zu wackeln oder kippen beginnt, ohne dass es unsicher und unklar wirkt. Wie kann ich entspannt klingen und trotzdem die Stimme komplett kontrollieren.

    Heute dachte ich daran, dass das vielleicht auch auf andere Lebensbereiche zu übertragen ist: nicht immer Vollgas aber dennoch gleichbleibende Klarheit, Sicherheit und Kontrolle.

    Mittwoch, 8. Januar 2020

    Heute hat es zweimal vernehmlich "knack" gemacht und damit hat sich etwas, das bisher ein wenig schief/schräg/wacklig/unsicher war, eingerenkt.

    Zum einen fand ich Schatzkisten - Kisten aus dem Archiv mit sehr alten Unterlagen (von vor meiner Zeit), die ich seit Monaten dringlich suche., weil sie bestenfalls wichtige Informationen, möglicherweise aber auch ziemlichen Sprengstoff enthalten. Die Kisten waren unmarkiert (bzw. eigentlich ist es komplexer, aber das führt hier zu weit), ich fand sie also relativ durch Zufall. Aufgrund der aktuellen Gesamtsituation kann nun aber weder ich noch jemand, den ich normalerweise darum bitten würde, die Sachen sichten. Deshalb bat ich Person X darum, das war eine spannende Entscheidung - zum einen für mich, denn je nachdem, was in den Kisten genau ist, ist das jetzt wirklich mal eine Karten-auf-den-Tisch-Sache und zum anderen auch für Person X, die dadurch möglicherweise (auch je nach Inhalt) aus dem Halbschatten ins Scheinwerferlicht katapultiert wird. Knack. Das fühlte sich gut an.

    Weiter wurde eine mir eine Bitte zur Vorlage beim nOC hereingereicht und statt wie normal zu sagen ok, werde ich mit ihm bei nächster Gelegenheit aufnehmen, sagte ich: Das ist meine Entscheidung. Knack. Auch das fühlte sich gut an.

    Dienstag, 7. Januar 2020

    Inmitten des irrsten Arbeitsgetümmels rief heute Frau Fragmente an und sagte, sie wolle jetzt quasi sofort mit mir zum Griechen gehen. Das Spannende daran war, dass ich noch in dem Moment, in dem das Telefon klingelte, den weiteren Verlauf des Arbeitstages ganz genau vor Augen hatte, nämlich ohne Mittagspause und mit einem sehr eng getakteten zeitlichen Ablauf für den Rest des Arbeitstages. Aber sofort nach dem Vorschlag mit dem Griechen fand in meinem Kopf eine kleine Kaskade von Klötzchen statt, die sich sofort neu anordneten in das Bild eines entspannten Mittagessens mit Frau Fragmente (und den Rest des Arbeitstages gnädig nicht definierten).

    Es ist schön, einfach alles stehen und liegenlassen zu können, aufzustehen und wegzugehen.

    Montag, 6. Januar 2020

    Nach längerer Abwesenheit - wie zum Beispiel Urlaub - erscheint mir mein Arbeitsplatz meist wie eine merkwürdige erfundene kleine Welt. Es gibt immer wieder Themen dort, die in diesem Rahmen, also dem Büroumfeld, ganz groß sind, außerhalb dessen aber gleich überhaupt gar keine Relevanz haben. Deshalb ist es auch kaum möglich, Außenstehenden davon zu erzählen, weil die Geschichten außerhalb eben dieses Umfeldes keine Logik ergeben.

    Auf ähnliche Probleme stoße ich, wenn ich versuche, jemandem eine Science-Fiction oder Fantasy-Geschichte nachzuerzählen. Das geht ja meist auch nicht abstrakt zusammengefasst, weil die Geschichte ohne das entsprechende Worldbuilding keinen Sinn ergibt. So ist es mit dem Büro auch. Eine kleine andere Welt.

    Dann hatte ich noch eine andere Überlegung. Darauf kam ich, weil Frau Fragmente in ihrem Blog (bei März/April letzter Absatz, falls sie nicht alle lesen möchten, wobei mir kein Grund einfällt, warum Sie das nicht tun sollten) überlegt, wie es vielleicht mit dem Empfinden des eigenen Sterbens vor sich gehen könnte.

    Bei mir ging es aber nicht um Sterben. Ich war nur für meine Verhältnisse heute zu lang im Büro - als Hintergrund dazu: ich habe normal den großen Luxus, kommen und gehen zu können, wie es mir behagt. Unter gewissen Voraussetzungen natürlich, die aber in der Regel nichts damit zu tun haben, zu welchem Zeitpunkt ich nach Hause gehe. So gehe ich seit vielen Jahren einfach immer dann nach Hause, wenn ich finde, es reicht. Also: es reicht mir persönlich, was dem Gefühl entspringt, dass in der Situation bei mir nicht mehr viel zu holen ist, das Pulver verschossen sozusagen. Warum sich dann quälen, es kommt ja ein neuer Tag mit neuer Energie. Das führt dazu, dass ich mich selten abends total ausgelaugt fühle und dass ich auch selten irgendwelche katastrophalen Leistungseinbrüche während der Arbeit habe, bei denen ich mich von Task zu Task hangele bis um Himmels Willen die Zeit umgeht und ich nach Hause kann. Bevor das passiert bin ich ja längst weg.

    Heute war das aber anders, heute hatte ich zum einen deutlich früher mein Pulver verschossen als sonst - was wohl auch daran lag, dass ich mich in die merkwürdige kleine Welt erst einmal wieder eindenken musste - und zum anderen hatten sich während des Urlaubs einige dringliche Sachen aufgestapelt. Deshalb blieb ich länger, als ich es komfortabel fand. Und dann geschah es, dass die Arbeit mühsam wurde, mein Kopf funktionierte nicht mehr gut, ich las etwas und konnte mich ein paar Minuten später nicht mehr genau erinnern, was es war, ich nahm eine Akte und musste nochmal kurz reflektieren, wozu, ich begann, einen Satz zu schreiben, dann klingelte das Telefon und nach dem Gespräch wusste ich nicht mehr, wie der Satz weitergehen sollte. Solche Dinge eben.

    Da kam mir der Gedanke, ob dieser Zustand vielleicht irgendwann normal wird, wenn das Energielevel aus irgendwelchen Gründen (hohes Alter, Krankheit, sonstwie erloschenes Feuer) dauerhaft sinkt - und ob diese Mühseligkeit dann immer so spürbar bleibt oder ob es irgendwann einfach normal wird?

    Als letztes noch eine etwas konkretere Problematik inklusive Lösungsvorschlag: wenn Sie sich ganz spontan entscheiden, Tiramisu zu machen und dann beim Einschichten in die Schüssel feststellen, dass in der Packung der Löffelbisquit ein Mottengelege ist, verzagen Sie nicht! Kippen Sie einfach einen großen Schwupp Amaretto in die Creme und frieren Sie das ganze ein, immer mal wieder durchrühren, nach ca. 3 Stunden (je nach Menge, logisch), haben Sie hervorragende (und etwas hochprozentige) Eiscreme.

    November seit 5058 Tagen

    Letzter Regen: 17. Januar 2020, 11:26 Uhr